Rotlicht Milieu

Vorigen Dezember nahm ich an einem Dunkelkammer Workshop bei dem Bochumer Fotografen Thomas Solecki (http://www.thomas-solecki.de/) teil.

Vom Erlernen der grundsätzlichen Techniken in der Dunkelkammer mal abgesehen, zeigte Thomas seinen drei Teilnehmern eindrucksvoll  wie man einem Foto Ausdruck und Aussage verleiht. Das gezielte Spiel mit dem Licht mittels abwedeln (partiell weniger Licht beim ausbelichten > heller auf dem fertigen Bild) und nachbelichten  (mehr Licht > dunkler), sowie die Möglichkeit den Kontrast mittels Papiergradation zu steuern fasziniert mich seither. Es ist Lichtmalerei.

Die Tage und Wochen danach durchforstete ich das Internet nach allem und jedem zum Thema analoge schwarz weiss Fotografie. Eine Dunkelkammer musste her! Ebay war Anfang des Jahres meine meist besuchte Seite. Ich ersteigerte Stück um Stück und begann parallel damit einen Kellerraum zum darkroom umzubauen.

Mittlerweile habe ich einige Negative ausbelichtet und bin total begeistert. Es ist natürlich nicht so dass ich bereits Top Ergebnisse erziele, dafür ist die Sache zu komplex, aber ich arbeite daran….

Hier ein Beispiel wie ein fertiger Print entsteht:

Das ausgewählte Negativ wird mittels Vergrösserer auf das Fotopapier projiziert. Umso länger diese Belichtung andauert umso dunkler wird nachher das Foto. Durch eine Belichtungsreihe wird die optimale Belichtungszeit ermittelt. Hier wurde jeweils um 2,5″ länger belichtet. Normalerweise nimmt man einen schmäleren Streifen Papier. Im Beispiel finde ich dieses hier deutlicher.

Bild 2 wurde mit der ermittelten Zeit von 25“ auf das Papier projiziert/belichtet. Nach der Belichtung ist das Foto noch nicht sichtbar sondern muss wie ein Film auch durch folgende chemischen Bäder: Entwickler – Stoppbad – Fixierer – Wasser

Bild 3 folgendermassen optimiert:

Gradation, also den Kontrast habe ich um 0.5 erhöht, die Häuser und längs der Holzpfosten habe ich um jeweils 8“ abgewedelt, also das Licht an diesen Stellen blockiert. Den Himmel und die untere rechte Ecke habe ich um jeweils 7.5“ nachbelichtet, also abgedunkelt. Leider sind die Scans nicht so doll, aber ich meine man kann gut sehen um was es geht.

Die ganze Prozedur findet im fahlen Licht der Dunkelkammer statt. Für die meisten Papiere ist ein dunkles Rot optimal.

Neulich habe ich meine ersten Kontaktabzüge geprintet und mit Ernüchterung festgestellt dass meine Negative noch längst nicht gut genug sind um feine Abzüge herzustellen. Viele Fotos sind richtig belichtet, andere zu hell oder zu dunkel. Die nächste Variable die mir noch Kummer bereitet ist die Entwicklung der Negative.

Eigentlich wäre es ganz einfach. Belichteten Film im dunkeln auf eine Spirale wickeln, diese dann in die Entwicklungsdose stecken und verschliessen. Licht anschalten, dann nach einander Entwicklerchemie, saueres Stoppbad, Fixierer, Wässerung und Trocknung der Negative. Das erste Problem dabei ist schon mal eine konstante Temperatur (20 Grad) über alle Entwicklungen (Film für Film) hinweg einzuhalten.  Apropos Temperatur, ein präzise anzeigendes Thermometer ist nicht selbstverständlich. Nach viel Recherche bin ich auf das digitale Greisinger GTH 175/PT gestossen. Das ist perfekt. Ich habe daneben noch zwei hochwertige Laborthermometer mit Quecksilber. Nur eines von beiden ist genau, beide sind aber schlecht ablesbar.

Sehr wichtig und mein nächster Schritt zum besseren Negativ ist die individuelle Filmempfindlichkeit heraus zu finden. 400 ASA sind nicht zwingend 400 ASA. Ein schwarz weiss Film hat zwar einen sehr grossen Belichtungsspielraum, aber erstens neigen die Hersteller dazu optimistische Angaben zu machen und zweitens ist jede Kamera und jeder Belichtungsmesser verschieden. Ich werde demnächst Testreihen belichten (müssen) und in einem gesonderten Artikel darauf eingehen. Um konstant gute Prints zu erzeugen muss man auf jedes Detail achten, es perfektionieren und konsequent daran festhalten.

Hier noch ein paar Fotos von meiner Dunkelkammer. Im Winter kommt noch fliessendes Wasser hinzu und mehr Ablagen.

Dunco Vergrösserer:

Leuchtplatte:

Das Greisinger Thermometer:

Ein paar Prints:

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