Lochkamera-ha!

Aristoteles, der griechische Altmeister der Philosophie muss ein aufmerksamer Beobachter gewesen sein. Vor gut 2300 Jahren während einer Sonnenfinsternis entdeckte er dass Licht durch ein kleines Loch, man sagt es sei das Loch im Blatt eines Baumes gewesen, gebündelt wird, sich auf der gegenüberliegenden Seite des Lichteinfalls wieder ausbreitet und ein Bild dessen projiziert wovon das Licht reflektiert wird.

Im Mittelalter entwickelten Wissenschaftler aufgrund dieser Beobachtung die Camera Obscura. Grob erklärt eine lichtdichte Kammer mit einem Loch. Hinter diesem Loch spiegelt sich die Welt kopfüber an der Rückwand. Diesen Umstand machten sich zuerst Astronomen zunutze, später auch Maler um Landschaften so naturgetreu wie möglich wiederzugeben.

In den 1830er Jahren entwickelte Louis Daguerre ein chemisches Verfahren womit man die in der Camera Obscura projizierten Bilder festhalten konnte. Die Fotografie war geboren.  Um die Bilder schärfer abbilden zu können und auch um mit  kürzeren Belichtungszeiten arbeiten zu können entwickelte man Objektive mit Glaslinsen. Den Rest dieser Geschichte kennen wir.

In unserer heutigen Zeit ist die Lochkamera (eine Camera Obscura ohne Glaslinse!) ein Objekt für Freaks, für Künstler, für Neugierige wie mich oder auch Menschen die das Aussergewöhnliche (auch ich!?) suchen. Es gibt zwei Möglichkeiten mit der Lochkamera zu arbeiten. Entweder man arbeitet direkt auf lichtempfindliches Papier, oder man belichtet auf Film (respektiv auf einen digitalen Sensor).

Mag das direkte Belichten auf Fotopapier am authentischsten sein, so finde ich doch, dass die Möglichkeit der individuellen Nachbearbeitung bei Belichtung auf Film oder Sensor den grösseren Reiz ausmacht.

Nun gut, die Lochkamera hat mich seit langem in Ihren Bann gezogen  und so war es nur eine Frage der Zeit bis ich mir eine kaufte.

Nach gründlicher Recherche ersteigerte ich bei 3, 2, 1 eine zur Lochkamera umgebaute Agfa Isola. Format 6 mal 6 Zentimeter. Brennweite 35 mm. Blende 220, was eine Lochgrösse von gerade einmal 0,34 mm ausmacht! Die Belichtungszeiten sind dementsprechend lang (Sekunden bis Stunden!). Kenntnisse (Recherche) und Erfahrungen mit dem filmischen Material sind wegen des Schwarzschildeffektes (zeitlicher Verlängerungsfaktor weil bei Belichtungszeiten ab ca 1 Sekunde die Filempfindlichkeit abnimmt) Grundvoraussetzung um richtig belichtete Bilder zu erhalten.

Das Budget um mit einer Lochkamera zu experimentieren ist erfreulich gering. Low Tech = Low Cost. Die Agfa kostete mich 59 Euronen. Ein Rollfilm kostet  4 – 5 € und die Entwicklung 1.25 €.

Einen ersten Kodak Ektar 100 Asa Film habe ich soeben vom Labor zurück. Eine gewisse Unschärfe ist physikalisch bedingt und verantwortlich für die besondere Anmutung der Bilder. Hier sind ein paar Eindrücke:

Seerose Haff Remich

Stausee bei Lultzhausen

Esch-Sauer

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