Caffenol – Filmentwicklung mit Kaffee

Voriges Jahr im Dezember als ich an einem Dunkelkammer Workshop bei dem Bochumer Fotografen Thomas Solecki teilnahm hörte ich zum ersten mal von einem der anderen Teilnehmer dass man schwarz weiss Filme statt in Chemie, auch in Kaffee entwickeln könne.

Da ich nach meiner Indien/Nepal Reise nunmehr knapp 20 Filme zu entwickeln habe und meine Entwicklerchemie bald verbraucht ist, habe ich im Internet nach dem sogenannten Caffenol recherchiert und gleich alle Zutaten bestellt. Meine ersten Caffenol Filme sind entwickelt und die Resultate sind sehr vielversprechend. Deshalb möchte ich hier meine Erfahrungen teilen.

Kommen wir also zur Herstellung von Caffenol. Mein Rezept beruht auf Reinhold’s Angaben auf seinem Blog:  http://caffenol.blogspot.com/search/label/recipe

Da ich einen grossen 2500 Jobo Tank zum entwickeln nutze, habe ich das Rezept auf die erforderlichen 1275 ml für 2 Kleinbildfilme hochgerechnet. Die schwarz weissen Zutaten sind folgende:

– löslichen Kaffee         51g

– Vitamin C             12,75g

– Kaliumbromid           1,9g

– Waschsoda             20,4g

Alle Zutaten werden einzeln aufgelöst und dann zusammengeschüttet. Heraus kommt diese dunkle Brühe.

Der eigentliche Filmentwicklungsvorgang ist gleich wie bei normalem Chemiegebrauch.

Hier sind ein paar erste Resultate:

Alle Fotos wurden auf Rollei/Maco RPX 100 belichtet. Entwicklung:

5 Minuten vorwässern, dann Kaffee eingefüllt, die ersten 30 Sekunden gekippt, dann jeweils 3 mal gekippt nach 2′, 4′, 10′ und 40′. Gesamtzeit 60 Minuten. Temperatur 20 Grad. Die Negative sind sehr klar, aber fast schon zu kontrastreich. Beim nächsten Mal werde ich den Tank weniger bewegen und schauen wie die Bilder dann heraus kommen. Ich scanne meine Negative mit einem alten EPSON 4870 Flachbettscanner mit 2400 dpi. Leichte Nachbearbeitung in Lightroom.

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10 Gedanken zu “Caffenol – Filmentwicklung mit Kaffee

  1. Wow, spannend! Hört sich zwar etwas kompliziert an, aber will ich unbedingt auch ausprobieren! Eine tolle Sache!
    Jetzt bin ich erst mal dabei, mir eine Dunkelkammer aufzustellen und habe gestern Chemie, Papier und Filme bei FotoIMPEX bestellt. Jetzt fehlt noch ein gebrauchter Vergrößerer plus Wannen, Klammern, Stoppuhr … Hier muss ich gestehen, dass es doch ziemlich schwer ist, einen Vergrößerer zu finden, bei dem ich auch ein gutes Gefühl habe, vor allem bezüglich der Objektive, die oft nur 4-linser sind. Hast du vielleicht einen Tipp, eine Empfehlung eines Vergrößerers für mich?
    Ich möchte auf jeden Fall KB und Mittelformat entwickeln. Vorrangig S/W, Farbe ist momentan nicht aktuell und auch noch mal bezüglich Entwicklung ein anderes Thema.
    Den Flachbettscanner von Epson werde ich mir auch mal anschauen, brauche hier nur die Möglichkeit, die Negative in guter Qualität einscannen zu können und das scheint hier mehr als gegeben. Dazu ist der Preis traumhaft günstig.
    Übrigens, wirklich großartige Aufnahmen, die du hier entwickelt hast! Die Füße und Kamele, fantastisch!

    • Hallo Anette,

      es freut mich wenn ich helfen kann. Mir ging es genauso wie Dir bevor ich meine ersten Versuche gemacht habe. Die Dunkelkammerarbeit ist sehr interessant und befriedigend wenn man einen fertigen gelungenen Print in der Hand hält.

      Ich will aber nicht verbergen dass ich die vergangenen Monate nicht mehr in der Dunkelkammer gearbeitet habe weil es unglaublich viel Zeit braucht. Für mich war vor allem die Warterei bei den einzelnen Bädern (Entwicklungsbad, Stoppbad, Fixierbad) manchmal frustrierend. Ich wurde zunehmend ungeduldig wenn ich mehrere Probestreifen anfertigen musste. Ich wollte dann mein ganzes Material verkaufen. Das habe ich zum Glück nicht übers Herz gebracht. Mit einigen Monaten Abstand und einigem mehr an Wissen ist mir klar geworden dass es den schnellen Print nicht gibt. Immer wieder lese ich dass auch die altehrwürdigen Meister der Zunft oft tagelang an einem Print herumtüftelten bis das Ergebnis passte. Ich werde deshalb im Winter wieder einiges ausblelichten :-).

      Welches Material man kauft hängt ja mit dem Budget zusammen. Ich zähle einfach mal die verschiedenen Dinge auf und schreibe meine Erfahrungen dazu.

      – Papier, meine ersten Prints habe ich auf dem sehr günstigen Adox Easy Print ausblelichtet. Das würde ich auch wieder so machen. Ich bin dann auf Ilford Multigrade PE Papier umgestiegen. Das ist schon wesentlich besser (dicker und viel bessere Schwärzen). Zum Schluss habe ich Adox Fine Print Vario Classic benutzt. Das ist ein klassisches Barytpapier. Ich würde heute nichts anderes als Baryt kaufen weil PE, egal wie gut die Qualität eine andere mehr synthetische Anmutung hat (für mich).
      – Entwicklerschalen sollten auf jeden Fall stabil sein sonst gibt es schnell Sauerei beim späteren entleeren der Chemie. Deville sind die besten. Die Paterson bei Fotoimpex (oder ebay) sind auch sehr gut. Kaiser ist bei den Wannen Schrott.
      – Edelstahlzangen braucht man für jede Schale eine (plus eine Reserve). Irgendwelche bei ebay. Ich denke die sind alle gut.
      -Belichtungsschaltuhr. Ich hatte eine mit allem PiPaPo (Dichte messen, Gradation usw). Das muss nicht sein. Ziel ist meiner Ansicht nach nicht ein korrekt belichtetes Foto zu erhalten, sondern die eigene Sicht und Kreativität einzubringen. Das kann die Schaltuhr nicht wissen. Also irgendeine Uhr die auf die Zehntel Sekunde messen kann und natürlich an den Vergrösserer angeschlossen werden kann
      – Vergrösserer gibt es viele. Ich habe einen Dunco 66 Modell II für Kleinbild und Mittelformat bis 6×6. Der ist Mittelklasse und für den Anfang ganz in Ordnung. Durst Vergrösserer sind meiner Meinung nach sehr empfehlenswert.
      Wichtig zum arbeiten ist die Filtereinheit. Meiner ist mit Colorkopf ausgestattet. Ein Muss wenn auch farbig geprintet werden soll. Die Gradation bei schwarz weiss stellt man über die einzelnen Farbregler ein. Bei jedem Papier gibt es dazu eine Anleitung welche Werte in etwa welche Gradation ergeben. Einfacher und genauer geht es mit einem Multigradekopf bei dem man einfach nur die Gradation, also den Kontrast einstellen kann. Eine andere Möglichkeit sind Multigradefilter die vor das Objektiv gesetzt werden. Alle Möglichkeiten sind gut. Am häufigsten sind die Vergrösserer mit Color Kopf. Ob die Gradation 100% z.B. 3 oder 3.5 enspricht ist mir egal weil nur mein persönlicher Eindruck zählt.
      – Vergrösserungsobjektive, da ist es wie bei den Fotoobjektiven auch, teurer ist besser. Schneider Componon S sollte es schon sein oder besser noch Rodenstock Rodagon.
      – sehr wichtig ist ein guter Kornscharfsteller. Ich würde Dir den Bestwell Optics: Micro Sight Kornscharfsteller (gibt es bei Fotoimpex) empfehlen. Beim Kornscharfsteller würde ich nicht sparen! Die von Peak (gab es früher bei Fotoimpex) sind noch besser. Da würde ich mich bei ebay USA umschauen. Importzoll 19% + ca 3%.
      – Vergrösserungsrahmen, mir am liebsten ist meine Kaiser Metallplatte zum rahmenlosen vergrössern
      – Leuchtplatte, ich habe eine Kaiser Prolite 5000. Die ist sehr gut. Bei ebay wird gerade eine (bis jetzt sehr günstig) angeboten. Neupreis googeln.
      – Thermometer, beim Filme entwickeln muss er sehr genau anzeigen. Beim anfertigen von Prints ist etwas Toleranz erlaubt. Es gibt meines Wissens nur einen einzigen den man kaufen sollte. Das ist der GREISINGER Digital-Thermometer GTH 175/Pt. Vergiss alle anderen!!!

      Womöglich habe ich noch was vergessen. Aber wahrscheinlich bist Du auch hiermit schon ein bisschen erschlagen. Klarheit kommt erst beim arbeiten. Bevor Du loslegst kannst Du mich gerne nochmal kontaktieren. Gegebenenfalls telefonisch.

      Schau auch noch in meinem Archiv August 2011 – 2 Laborartikel

      Ah ja, Scanner hast Du noch angesprochen. Die Epson sind die besten Flachbettscanner und je grösser das Format umso geeigneter. Ein Filmscanner ist besser, kostet aber dann viel mehr.

      Liebe Grüsse,
      Gilles

      • Wow, ein großes Dankeschön! Geduld habe ich glücklicherweise sehr viel, was ich unter anderem auch schon beim Filmschnitt „erprobt“ habe (älterer Computer, der bei der Bearbeitung so manche unzählige Stunden braucht). Ich freue mich auf das „handwerkliche Warten“. Toll, jetzt heißt es alles nach und nach zusammen zu suchen. Mit dem Kornscharfsteller muss ich mich noch gedulden. Das Budget ist nicht allzu hoch. Danke für deine Hilfe, wenn noch Fragen sein sollten, melde ich mich gerne wieder bei dir.

        Liebe Grüße,
        Anette

  2. Hallo Gilles,

    ein sehr schöner Beitrag von Dir. Habe ihn erst heute im Netz gefunden. Nur eine Anmerkung von mir. Nach 30 Jahren DuKa Erfahrung kann ich Dir nur sagen und empfehlen, dass man keinen Kornscharfsteller braucht (habe alles getestet). Eine einfache Vergößerungslupe mit 4-fach reicht vollkommen aus.

    Liebe Grüße Christoph

      • Hallo Gilles,
        ich habe nun alle Entwicklerzutaten zusammen. Eine Frage: Ich habe keine normale Entwicklungsdose sondern eine Tageslichtdose von Agfa „Rondinax“ für Rollfilme. Das ist der Film nicht ganz in der Entwicklerflüssigkeit, sondern nur zu ca. 65%. Der Film liegt nicht horizontal in der Dose sondern steht „vertikal“. Der Film/Spule kann von außen mit einen Rad gedreht werden. Für normele Filmentwicklung steht etwas in der Gebrauchsanleitung, aber bei 60 Minuten Entwicklung?!?!? Wie würdest Du hier den Dreh-rythmus vornehmen? Für einen Tip wäre ich dankbar.

        Liebe Grüße Christoph

      • Hallo Christoph,
        ich denke mit Deiner Dose ist eine Standentwicklung gar nicht möglich. Es ist ja eigentlich so dass man zuerst die Entwicklerflüssigkeit in die Dose füllt, dann einige Male kippt und die Dose während der Entwicklungszeit stehen/ruhen lässt! Ich kippe dennoch 2 bis maximal drei mal in einer Stunde wenn ich etwas mehr Kontrast haben möchte. Bei Deiner Dose müsstest Du ja häufiger kippen, eine ungleichmässige Entwicklung ist damit vorprogrammiert. Ich denke Du solltest eine andere Dose anschaffen. Ich benutze nur noch die grosse Jobo mit 1275ml Fassungsvermögen und erziele damit sehr gleichmässig entwickelte Filme. Im Gegensatz zu den kleineren Dosen ist der Filmabstand auf der grösseren Spule grösser, dadurch wird der Film bis an die Bildränder vor allem beim kippen gleichmässiger umspült. Ich versuche für mich konstante Ergebnisse zu erzielen, aber vielleicht bist Du ja experimentierfreudiger. Ich bin gespannt auf Deine Erfahrungen.
        Ich hoffe ich konnte ein klein wenig helfen.
        LG, Gilles

  3. Hallo Gilles,

    vielen Dank für Deine Antwort. Ich werde es trotzdem mal mit meiner Dose probieren! Falls es schief geht, muß ich mir halt eine zweite Dose anschaffen. Ich werde berichten.
    Lg Christoph

  4. Hallo Gilles,
    fange gerade an mit Caffenol zu experimentieren und bin bei der Recherche auf diesen Beitrag gestossen. Deine Ergebnisse die du hier präsentierst finde ich ziemlich beeindruckend. Mich würde noch interessieren mit welcher Kamera du die Bilder gemacht hast?! LG, Daniela

    • Hallo Daniela,
      danke für das Kompliment. Die Leica M6 mit 50er Zeiss ZM Planar ist bis heute meine bevorzugte Reisekamera.
      Viel Spass beim experimentieren.
      LG, Gilles

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