Zurück in die Dunkelkammer

Diejenigen die schon länger meinen Blog verfolgen wissen dass ich mir irgendwann eine traditionelle Dunkelkammer aufgebaut habe. Meine ersten Versuche haben mir damals sehr viel Spass bereitet. Alles war neu und spannend – wie eine neue Liebe. Zu erleben wie die Fotos in der Entwicklerschale erst schemenhaft, dann ganz und gar ausentwickeln hat etwas Ausserirdisches. Doch wie im richtigen Leben folgt auf das Verknallt sein die Ernüchterung :-). Nach einem ersten Stapel fertiger Prints kam auch schon der erste Frust auf. Der ganze Entwicklungsprozess von den ersten Teststreifen bis zum in mehreren Stufen aufgebaute fertig ausgewässerte und getrocknete Print dauert(e) ewig lang. Ich stellte mein Können in Frage, dachte ich hätte wohl kein Talent. Es ging mir einfach nicht schnell genug voran. Und ja ich dachte ich müsse nach einer kurzen Einarbeitungszeit mindestens so gute Bilder produzieren wie ein Ansel Adams.  Ich ging seltener in die Dunkelkammer bis ich schliesslich alles verkaufen wollte. Zum Glück habe ich mir selbst eine Zeit der Besinnung verordnet.

In den vergangenen Monaten hat mich „meine“ Dunkelkammer allerdings nie losgelassen. Jedes mal wenn ich in einem Fotoladen Beispielfotos aus dem Tintendrucker anschaute dachte ich bei mir dass da irgendwas fehlt. So wie wenn zwei Menschen nicht auf einer Wellenlänge sind. Ich bin mir nicht sicher was mich an den gedruckten Fotos stört. Die Qualität ist mittlerweile hervorragend und die Auswahl an Papieren ist riesig. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Ist es eventuell die fehlende Tiefe der Tintendrucke die mich zweifeln lässt? Ich weiss nicht so recht. Vielleicht ist es auch nur der Gedanke der unendlichen Reproduzierbarkeit einer digitalen Datei. Ein Handabzug dagegen ist einmalig. Ich weiss dass ich nicht der Einzige bin der sich hieran stört. Auf der Webpräsenz eines anerkannten Landschaftsfotografen habe ich gelesen, dass er, sobald das letze Foto einer limitierten Serie gedruckt ist, die digitale Datei löscht. Ob das eine Option ist muss jeder der sich damit auseinander setzt selbst entscheiden. Eines weiss ich mit Bestimmtheit. Für mich ist und bleibt der Handabzug auf Barytpapier  die Königsklasse. Oder sollte ich Königsdisziplin sagen?

Ich schulterte wegen der Chose die vergangenen Monate stets ein Päckchen Unruhe und habe deswegen viel in Büchern und mehr noch im www bei anderen Analogfotografen herumgeschnüffelt. Mir wurde klar dass es den schnellen Print nicht gibt. Es ist normal ein bis zwei Teststreifen und mehrere stets verfeinerte Abzüge zu entwickeln bis man stolz wie Oscar das fertige Bild in den Händen halten darf. Dieser Prozess braucht nun einmal Zeit und Übung und noch mehr Zeit. Basta!

Daniel Milnor, den ich als Fotograf sehr schätze, schrieb vor ein paar Tagen in seinem  Blog einen tollen Artikel (der Mann schreibt dauernd tolle Artikel) darüber dass das „Schiefgehen“ nicht für Frust sorgen sollte, sondern als Lernprozess geschätzt werden soll. Das versuche ich mir in Zukunft zu Herzen zu nehmen. Hier ist der Link zum Artikel:

Failure as Friend

Heute Nachmittag habe ich in meiner Dunkelkammer geräumt, geputzt und all das aufgebaut was ich in verschiedenen Kartons versteckt hatte. Fehlt noch eine Packung Papier und dann werde ich diese Tür wieder häufiger öffnen.

DunkelkammertürDunkelkammertür02

Hier sind noch zwei Videos zum Dunkelkammerarbeit

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18 Gedanken zu “Zurück in die Dunkelkammer

  1. Ich kann mir vorstellen dass dies für dich ein anspruchsvoller Prozess war. Und ich weiss dass in solchen Situationen eine dezente Unruhe auftreten kann:-) Aber um so wohltuender der Moment wenn man dann eine Entscheidung gefällt hat.
    Ich bewundere dich für deine Geduld. Geduld braucht es in der Dunkelkammer. Mein Temperament lässt dies nicht zu. Aber seit ich mit Leefiltern arbeite, da habe ich doch wieder diese meditative Ruhe in mir bevor ich abdrücke da es ebenfalls Zeit in Anspruch nimmt bis man den Filter so hat wie man will.
    Ich wünsche dir viel Spass und super Resultate in der Dunkelkammer. Natürlich bin ich wie immer auf Resultate gespannt.
    Für morgen wünsche ich dir einen schönen 1. Advent. Liebe Grüsse Thee

    • Grosses Dankeschön an meine treueste Leserin 🙂
      (Thee ist von Anfang an dabei)

      Es freut mich dass Du Dir immer Zeit nimmst Deine Gedanken zu teilen. Das mit der Geduld ist bei mir so eine Sache. Ein bisschen mehr meditative Ruhe könnte auch mir nicht schaden. Es hängt viel von meinem Arbeitstag ab. Ich denke davon kannst Du im Spital auch ein Liedchen singen.

      Ich wünsche auch Dir und allen anderen Lesern/innen einen schönen 1. Advent und ein paar ruhige Minuten hinter dem Sucher der Kamera.

      Liebe Grüsse in die Schweiz,
      Gilles

      • Na ja, du hast mir einiges voraus indem du schon die Geduld aufbringst zu warten bis das Bild entwickelt ist. Ich will gleich meinen Chip in den PC reinschieben und meine Werke betrachten. Tja, leider komme ich momentan nicht zum knipsen. Ich arbeite ebenfalls viel, durfte aber noch ein Cover für eine CD designen. Das hat mir mega Spass gemacht. Ich konnte ein Foto verwenden und noch die ganze Gestaltung machen, cool. Und die nächste CD ist am entstehen. Aber ich würde lieber rausgehen und meine neuen Lee Filter ausprobieren:-) Hoffe du kannst die Adventzeit gemütlich angehen.
        In diesem Sinne, geniess das Weekend, LG aus der kalten, nebligen CH, Thee

  2. INFINITY könnte ein (latentes) Attribut der Silberhalogenid Photographie sein – denn hier gibt es weder diskrete Tonwertstufen (8 bit bis 14 bit) noch unvollständige Lichtspektren in Gestalt von Farbräumen (sRGB, Adobe RGB etc.) …

    Für mich stellt schon das Abspulen und das Aufhängen des noch nassen Films eine aufregende, erste Phase dar – das Einspulen des Film bei völliger Dunkelheit sowie der sorgfältige Ansatz der Fotochemie tritt dabei total in Vergessenheit …

  3. Das finde ich super, dass du die Dunkelkammer wieder ausgepackt hast. Deine Ergebnisse waren fantastisch und ich bin gespannt auf deine weiteren! Die Arbeit braucht wirklich sehr viel Zeit und Geduld, aber genau diese beiden Dinge haben mir persönlich in der digitalen Welt gefehlt. Und ich komme nicht weg vom Gefühl, dass die Ergebnisse in der Analogfotografie mehr Tiefe haben, eine gewisse Wärme und Charme ausstrahlen. Es fällt mir schon richtig schwer, die Digitalkamera in die Hände zu nehmen, verrückt. Ich kann dir nur sagen, durchhalten und weitermachen. Eine Dunkelkammerpause ist ja immer möglich 😉
    LG, Anette

    • „Und ich komme nicht weg vom Gefühl, dass die Ergebnisse in der Analogfotografie mehr Tiefe haben, eine gewisse Wärme und Charme ausstrahlen.“

      Sowohl die entwickelten Negative als auch die gerahmten Bilder lassen sich – ohne technisches Equipment – mit den Händen „begreifen“ sowie mit den Augen „erkunden“ und die simple Fototechnik (Blende, Zeit & Fokus werden vor der Aufnahme bewußt eingestellt) lenkt nicht vom eigentlichen schöpferischen Prozeß ab …

  4. Danke für das Lob und den Zuspruch! Das freut mich sehr. Ich habe gestern einen ersten Print auf Baryt entwickelt. Für das Endergebnis muss ich noch ein klein wenig abwedeln und nachbelichten. Aber soviel kann ich schon mal sagen. Der Bildeindruck ist ein ganz anderer als der eines kürzlich (von einem Dienstleister) erstellten Tintenstrahldrucks. Die Grauwerte sind anders. Die Kontraste sind lebendiger. Die Haptik und der Glanz sind ganz verschieden. Ich bin zufrieden 🙂
    LG, Gilles

    • Ich höre und ich vergesse;
      Ich sehe und ich erinnere mich;
      Ich tue und ich verstehe.

      [Chinesisches Sprichwort]

      Meine ersten Abzüge in der Dunkelkammer enstanden auf Barytkarton (meist Gradation „Spezial“), denn es gab ja nichts anderes. Viele Jahre später verwendete ich einige Jahre lang die modernen RC/PE Festgradationen zum Ausbelichten – rückblickend eine völlig obsolete Phase! Bequemlichkeit zahlt sich leider selten aus …

      Seit etwa einem Jahr experimentiere ich – bei bestimmten Anlässen – mit einer KB-DSLR plus DPP und PS. Derartige schwarzweiße Bilddateien sollen – laut Werbung – eine vergleichbare Anmutung wie Silberhalogenid Barytpapiere bieten, wenn sie mit speziellen Grautinten beispielsweise auf „Hahnemühle Baryta“ ausgedruckt werden. Wo könnte man denn solche Prints – zwecks in Augenscheinnahme – mal in die Hand nehmen? Kommerziell werden diese Prints erst ab dem Format 30x40cm als sogenannte Fine Art Prints (auch von 16 Bit TIFF Dateien) angeboten …

      • Was das Fotopapier angeht habe ich mich stets verbessert. Zuerst Adox Easy Print, ein sehr günstiges RC/PE Papier. Für die ersten Versuche ist es ok. Die Verarbeitung ist leicht, Anfänger tauglich. Aber schwarz als solches ist ein blasses dunkelgrau. Danach entwickelte ich auf Ilford PC/PE Papier. Die Ergebnisse sind damit wesentlich besser. Baryt war aber stets das Papier das ich ausprobieren wollte, mich am Anfang aber nicht heran traute wegen den vielen Diskussionen im www bezüglich Wässerung und Trocknung. Jeder hat seine Arbeitsweise (die Beste natürlich). Dadurch war ich erst einmal verunsichert. Die Versuchung brachte mich dann aber zum Adox Fine Print Vario Classic, ein einigermassen günstiges Barytpapier. Das gefiel mir wesentlich besser als das Plastikpapier. Nun habe ich Adox MCC110. Für meinen Geschmack ist das perfekt. Ich lasse das Barytpapier an der Luft trocknen und klebe es dazu an den Rändern mit Nassklebeband auf eine Glasplatte. Damit wird es relativ eben und hat einen schönen seidigen Glanz.

        Für schwarz weiss digital wäre das hier vielleicht ein guter Ansprechpartner:

        http://www.walther-fineart.de

        siehe auch bei den Workshops nach:

        Workshop „Baryt-Digital“ für die Schwarzweiss-Fotografie

  5. „Ich lasse das Barytpapier an der Luft trocknen und klebe es dazu an den Rändern mit Nassklebeband auf eine Glasplatte. Damit wird es relativ eben und hat einen schönen seidigen Glanz.“

    PERFEKT !

    Das werde ich auch mal bei größeren Formaten ausprobieren, da die Chromfolie meiner betagten Trockenpresse nur bis 18x24cm gut „ausrollbar“ ist.

    Für meine SW-Filme hat sich der Einsatz von einem Netzmittel (Ilfotol 1+200 ca. 30-60sec) zur Trocknung – ohne den Einsatz von Gummilippen – bestens bewährt. Auch von der Chromfolie lösen sich die in Ilfotol gebadeten Bilder problemlos nach dem Verstummen der Knistergeräusche von allein ab …

  6. Hi Gilles,
    da scheint ein Virus umzugehen, immer mehr Fotografen besinnen sich auf den analogen Film zurück, mit tollen Ergebnissen. Ein Freund von mir hat sich vor 6 Monaten eine alte Mamiya zugelegt, vor kurzem dann noch eine Sinar Großformat. Seit dem ist er nicht mehr ansprechbar :-). Ich werd mir Deine Erfolge mit viel Neugier betrachten, irgendwie kommt bei mir immer mehr das Gefühl auf, mich auch mal damit auseinandersetzen zu müssen.
    Der ganze Weg bis zum fertigen Bild ist einfach ein total anderer als bei Digi, und bekanntlich ist ja der Weg das Ziel.
    Bleib dran, ist ne spannende Sache.

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