Staubgesicht

In den vergangenen Wochen habe ich sehr viel über Fotografie gelesen. Von der technischen Seite her gesehen habe ich mich mit dem Zonensystem und den dadurch resultierenden Möglichkeiten auseinander gesetzt. Ich habe mich aber auch eingehend mit dem „Sehen“ und finden eines Motivs befasst.  Ich habe über das Zusammenspiel des Lichts mit Linien,  Formen und Strukturen gelesen und ich habe mir Gedanken auf das Prävisualisieren eines Lichtbilds gestellt. In meinem geistigen Auge habe ich mir dann die Bilder vorgestellt die ich einmal fotografieren möchte. Ich schreibe das alles als Einleitung weil ich denke dass es mir geholfen hat ein „für mich“ sehr interessantes Motiv zu „sehen“.

Gestern fühlte ich einen starken Drang zum fotografieren und suchte ein stillgelegtes Areal der Eisenerzindustrie im Süden von Luxemburg auf.

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Auf dem Parkplatz angekommen schulterte ich den Rucksack mit der analogen  Mittelformatkamera samt Stativ und hängte mir noch meine kleine Sony Nex 5n mit Kitobjektiv (18-55mm) um den Hals. Das hiesige Gelände ist viele Hektar gross so dass ich mich erst einmal  orientieren musste. Die kleine Digitale nutzte ich vorrangig als Notizblock um mir zuhause einen Überblick der potentiellen Motive an dieser Location zu verschaffen.

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Es war bereits später Nachmittag als ein schweres Eisengitter mit darauf liegenden Steinplatten meine Aufmerksamkeit erregte. Ich näherte mich der Stelle und sah dass alles von einem feinen mehligen Staub überzogen war. Das diffuse Licht des wolkenverhangenen Himmels passte perfekt zu Motiv. Ich stellte das Stativ auf und nahm mir Zeit den aus meiner Sicht besten Winkel heraus zu finden. Erst nachdem ich  den Auslöseknopf einige Male mit jeweils leichten Anpassungen gedrückt hatte stach mir ein bis dahin verborgenes Geheimnis ins Auge. Der weissgraue Staub auf dem metallenen Tablett an der linken Seite der Steinplatten offenbarte bei genauerem Hinschauen ein Gesicht! Mir war klar dass das Staubgesicht ein aussergewöhnliches Motiv darstellte das ich unbedingt auf Film bannen wollte.  Ich hatte gerade meine Bronica auf dem Stativ ausgerichtet als ein anderer Fotograf zu mir herüber kam und mich in ein Gespräch verwickelte. Die Dämmerung brach dann schneller als erwartet herein so dass ich leider nicht mehr dazu kam die Szene auf Film fest zu halten.

Zum Glück fotografierte ich mit der Sony im RAW Modus so dass keine Details verloren gingen. Bei der Bildbearbeitung in Photoshop Lightroom habe das eh fast schon  monochrome Bild in schwarz weiss umgewandelt und dann nur noch dezent an den Reglern von Helligkeit, Klarheit und Kontrast herum getüftelt. Die Konturen des Gesichts habe ich mit dem Pinselwerkzeug mit +- einer halben Blende etwas mehr betont.

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                                                  Staubgesicht

(Fotos anklicken zum vergrössern)

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13 Gedanken zu “Staubgesicht

  1. Mach dir nichts draus ! Das scheint sowieso ein Ort zu sein bei dem es sich lohnt öfters mal vorbei zuschauen. Und meistens entdeckt man bei einem zweiten Besuch ohnehin noch viel mehr.

    • Ja, es gibt Schlimmeres. Vielleicht ist ja beim nächsten Besuch noch alles gleich. Wenn nicht, Motive gibt es dort reichlich :-). Danke für Deine Rückmeldung!

  2. Solche Gelände sind wahre Schatzgruben. Man kann dort unendlich knipsen und wird wohl immer wieder Neues entdecken. Wie du sagst, man findet Linien und Formen, Lichtspiele, man findet Farbkombinationen und ab und zu auch Skurilles.
    Vielleicht findest du Zeit zurückzugehen und noch mehr Robinson zu spielen:-)
    Liebe Grüsse Thee

    • Auf jeden Fall gehe ich dort noch häufiger hin. Der andere Fotograf der dort unterwegs war hat mir noch ein paar Tipps gegeben wie ich wohin gelange und wo ich wegen Asbest besser nicht hin soll. Ich bin selbst gespannt was ich dort alles aufstöbern werde.
      Robinson lässt grüssen 🙂

    • Den Sehtest kenne ich. Bei mir dreht es meistens auch rechts herum, nur manchmal für wenige Sekunden links herum. Ich hatte mal recherchiert wegen dem Test. Der soll nicht repräsentativ sein. Ich weiss nicht so recht was davon zu halten ist.
      Mir kommt es häufiger vor dass ich in unregelmässigen Strukturen wie z.B. meinen Badezimmerfliesen Gesichter oder andere Dinge sehe – und das bei klarem Verstand (schmunzeln erlaubt 🙂 ).

      • Für das Prinzip des Dualismus gibt es vermutlich zahlreiche Tests, die auf zwei parallele, menschliche Erkenntnisweisen hindeuten. Analog läßt sich auch das SEHEN einerseits als einen abstrakten, sprachlichen sowie analytischen Prozess interpretieren oder komplementär als ein ganzheitliches, intuitives sowie simultanes Erfassen – wie etwa die Gesichtserkennung innerhalb einer 1/100 Sekunde …

  3. Klasse Aufnahmen und das Gesicht, puh, beinahe unheimlich so versteckt im Schatten …
    Bei der nächsten Fototour werden sich sicher noch etliche weitere Motive für dich auftun. Es ist verrückt, wie ich manchmal Wochen oder länger an Motiven vorbeirenne und plötzlich halte ich inne und sehe es, einfach so, weil heute der Tag ist, der richtige Moment oder ich in der passenden Stimmung bin … Wer weiß, was dir der nächste Tag also noch bringen wird? 😉

    • Danke Anette!
      Das mit dem vorbeirennen kenne ich nur zu gut. Ich denke Du triffst es auf den Punkt wenn Du sagst dass manchmal der Moment passt, ein andermal eben nicht. Es bleibt spannend .-)

    • Danke für den Gedanken-Link. Ich kann dem Schreibenden von meinem heutigen Wissen aus nicht wirklich in allem recht geben. Ich meine aber dass das nebensächlich ist. Der Text regt zum Nachdenken an. Er fördert einen heraus die eigene Sichtweise zu überprüfen und in Frage zu stellen. Das ist gut so.

      Gerne würde ich einmal Deine Fotografien und Malereien anschauen. Gibt es da auch einen Link im www? Wenn nicht, dann wäre es doch interessant einen Blog zu erstellen. Du hast etwas zu sagen und bestimmt auch zu zeigen!

      Beste Grüsse,
      Gilles

      • Hallo Gilles,

        neue Einsichten und Erkenntnisse im Wege von Kommunikation – auch über diverse Medien – faszinieren mich immer wieder, wobei ich das Internet mehr als Dialog Medium denn als (technische) Broadcast Plattform verstehe. So endeckte ich vor einigen Monaten ebendiesen WebLog Licht & Leicht …

        Mit meinen Kameras dokumentiere ich eigentlich nur Momente meiner Freizeitaktivitäten einschließlich der Menschen, die diese Erlebnisse teilen. Gelungene Fotos wurden auch schon nachgefragt und wenige davon gedruckt oder verschenkt. Das Zeichnen von Portraits praktiziere ich erst seit wenigen Wochen (ich wußte bisher nicht, das ich zum Zeichnen augenscheinlich befähigt bin) und eine erste Zeichnung werde ich nächste Woche mit grauem, gephasten Passe Partout im 30×40 Nielsen Rahmen verschenken. Dabei wird meine Technik von Bild zu Bild besser – aber das scheint ja ein unendlicher Lernprozeß zu bleiben.

        Für persönliche Dialoge nutze ich Briefe oder eMails, jedoch keine öffentlichen Kanäle. Die Kommentarfunktion von Blogs setze ich nur sehr sparsam ein, obwohl ich beruflich seit 1993 mit http:// etc. en detail vertraut bin …

        Die besten Grüße von der Elbe nahe Hamburg wünscht dir Jolomy

  4. Hallo Gilles, das Bild gefällt mir, allerdings hat es etwas gedauert, bis ich das Gesicht entdeckt habe, erst in der Vergrößerung 😉 Schön, wenn man so etwas besonderes entdeckt und das drumherum dazu taugt, ein tolles Bild zu machen.

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