Ein Griff ins Archiv

Vor einiger Zeit habe ich Dias eingescannt von meiner ersten grossen Trekkingtour. Das war 2001 eine geführte Durchquerung des hohen Atlasgebirges in Marokko. Noch heute denke ich gerne an diese abenteuerliche Reise zurück und will deshalb ein wenig davon erzählen.

Die Reise startete in Marrakech. Von hier aus wurde unsere kleine Reisegruppe in 2 Geländewagen ans andere Ende des Gebirges gefahren. Wir brauchten also „nur“ noch den Rückweg auf Schusters Rappen zurück zu legen.

Bereits am dritten Tag ging es auf den viert höchsten Berg Marokko’s, den M’Goun (4071m). Ich weiss noch zu gut wie wir frühmorgens bei eisiger Temperatur unsere Zelte verliessen und die ersten beiden Stunden in tiefer Dunkelheit Höhenmeter machten. Ich kann noch gut nachvollziehen wie mein Körper ab 3800 Meter Höhe nach Sauerstoff japste und jeder Schritt mangels Akklimatisierung schwerer wurde. Doch irgendwann steht man dann oben und ist ergriffen von der Schönheit der Bergwelt. Was für eine Freude!

Übernachtet wurde bis auf drei Nächte (die einzigen 3 Duschen der Tour 🙂 ) immer in kleinen 2-Mann Zelten wie das üblich ist bei diesen Touren. Unsere 9-köpfige Wandergruppe wurde von Omar einem sehr erfahrenen lokalen Guide geführt. Mit dabei waren noch ein Koch und eine kleine Truppe Maulesel mit Ihren Führern. Auf den Mauleseln wurde das meiste von unserem Gepäck, sowie die Zelte, die Kochutensilien, Proviant und Wasser verstaut. Die Wasserkanister wurden jeden Tag an Quellen aufgefüllt und chloriert. Nicht sehr schmackhaft, doch während den 3 Wochen wurde niemand krank.

Einmal nächtigten ein paar von uns  im Freien. Ich hatte noch nie vorher die Sterne so intensiv wahrgenommen wie in dieser tiefdunklen Nacht. Nachdem wir am Morgen mehrere Skorpione entdeckten, einer davon am Kopfteil von einem der Schlafsäcke, beliessen wir es allerdings bei dem einmaligen Erlebnis. Ein andermal hat es derart gestürmt dass ich fast die ganze Nacht mit dem Rücken das Zeltgestänge abstützen musste weil es andernfalls zusammengebrochen wäre (siehe Foto). Der Zeltstoff flatterte lautstark. Der aufgewirbelte Sand knirschte zwischen den Zähnen und setze sich überall nieder.

Jeden Tag den wir länger unterwegs waren vertiefte sich die Freundschaft zu unserer marokkanischen Mannschaft. Zu Omar natürlich, aber auch zu unserem Koch und zu  Ali, einem Militärveteran, der bei dieser Tour für die Maultiere verantwortlich war. Ali war stets zu Spässen aufgelegt, nur eines konnte er nicht, sich an einen heranschleichen. Denn längst bevor man ihn sah verriet ihn seine intensive Duftnote :-). Aber auch die anderen Helfer waren sympathisch und total happy als sie an einem der Abende für uns singen und musizieren durften.

Erst am neunten Tag überquerten wir eine asphaltierte Strasse. Den grössten Teil der Wanderstrecke verlief auf den Pfaden der Nomaden und denen die die entlegenen Dörfer miteinander verbanden. In kaum einem Dorf gab es Strom und fliessendes Wasser. Dass man in die Nähe eines Baches kam hörte man meistens schon aus einiger Distanz. Häufig waren die Frauen am Wäsche waschen und sangen dabei lauthals ihre Lieder. Unser weltoffener, aber doch tief in seiner eigenen Kultur verwurzelte Guide sorgte stets dafür dass diese Begegnungen in einer gewissen Distanz zueinander stattfanden. Die Männer hingegen sah man unterwegs beim Vieh oder beim dreschen der Ernte.

Gewandert wurde an den meisten Tagen 6 – 7 Stunden. Während der grossen Mittagshitze wurde gerastet und es gab ein kleines Picknick mit Tee. Die meisten hatten nach mehreren Tagen in dem steinigen Gelände dicke Blasen an den Füssen und waren froh zwischendurch aus den dampfenden Tretern heraus zu kommen. Die ersten Meter beim loslaufen waren dafür umso schmerzhafter.

Machte man sich anfangs noch Gedanken über die Weite der Strecke, die zu bewältigenden Höhenmeter, die Gesundheit, usw…. so wich diese Ungewissheit trotz geschundener Körper jeden Tag ein bisschen mehr einer unvergleichlichen Leichtigkeit.

Ein letztes Highlight im wahrsten Sinne des Wortes war am vorletzten Wandertag die Besteigung des höchsten Berges von Marokko, dem 4167 Meter hohen Mt. Toubkal. Blickte man von dessen Gipfel in die eine Himmelsrichtung, so konnte man die fernen Wanderwege die wir gelaufen sind, wenn auch nicht wirklich sehen, so doch erahnen und inne halten. In der anderen Himmelsrichtung lag die heisse Wüste zu unseren Füssen, geduldig wartend von uns durchwandert zu werden. Ein Traum.

Am Ende der Reise war jeder glücklich und kehrte mit vielen Erlebnissen, in meinem Fall auch  mit neuen Erkenntnissen und Einsichten die Heimreise an. Im darauffolgenden Jahr kündigte ich meinen sicheren Bürojob um für ein Jahr zu verreisen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Insgesamt dauerte die Reise 22 Tage, davon 18 Wandertage am Stück. Die Strecke war laut Schrittzähler etwa 320 Kilometer lang.

Hier sind die Bilder:

Marokko – Transatlas Trekking 2001 from Gilles Grethen on Vimeo.

Die Fotos in der Diashow werden leider etwas unscharf wieder gegeben obwohl sie in Lightroom eigentlich scharf sind. Mit Adobe Lightroom habe ich die Diashow als 720p Video exportiert und bei vimeo hochgeladen. Wer weiss wie man die Diashow hochladen kann ohne Qualitätseinbussen?

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6 Gedanken zu “Ein Griff ins Archiv

  1. Sehr eindrücklich und es erweckt meine Sehnsüchte. Ich liebe Marokko:-) War auch im hohen Atlas und lernte: Bescheidenheit. Marokko ist ein Traumland für alle Sinne: herrliche Düfte, liebliche Klänge und wenn die Brise über die Haut weht, wow!
    Ich habe dort kleinere Touren gemacht. Mein Abenteuer war es ja auf dem Nil von Luxor bis Assuan zu segeln. Die Bergkämme wo man auf den Bildern sieht lassen mich gleich wieder erschaudern, remember: Höhenphobie:-)
    schönen Abend, LG Thee

  2. Ich bin von Werner Pechmann bei Google+ über diesen Artikel gestolpert.

    Also bei mir ist das Video von der schärfe her Optimal, ich habe es mir auch auf HD angesehen, also ich habe auf HD geklickt, vorher war es nicht so scharf nachher echt super.

    Ich muss schon sagen da habt ihr euch einiges zugetraut ich finde es hoch interessant zu lesen und vor allem die Bilder zu sehen das muss ein richtiges Abenteuer gewesen sein.

    Lg,
    Rewolve44

    • Vielen Dank für Dein Feedback!

      Ich bin etwas spät mit meiner Antwort weil ich vergessen hatte den Kommentar frei zu schalten. Sorry!
      Die Schärfe ist in der Tat in HD absolut in Ordnung, meine Verbindung ist allerdings recht langsam so dass ich selbst für gewöhnlich nicht in HD die Videos anschaue und da sind andere Videos (Diashows) wesentlich besser.

      LG, Gilles

  3. Schöner Bericht, so eine Tour prägt und bleibt für immer in der Erinnerung. Sollte jeder mal gemacht haben, bei mir steht das leider noch aus. Wegen der Diashow kann ich Dir leider nicht weiterhelfen, da habe ich noch keine Erfahrungen gemacht.
    Gruß Stefan

  4. Ein Wahnsinnstrip! Bin ja zu faul für so was, meine Kondition ist da gleich null… 😀
    Aber diese Landschaft und das harte Leben der Leute vor Ort bleiben sicher für immer im Gedächtnis. War selber mal so hoch in den Bergen, in Yunnan, daher weiß ich selber zu gut, wie schlapp man sich fühlt, wenn einen die Höhenkrankheit erwischt. Die Musik passt ausgezeichnet zu deiner Diashow. Zu deinem technischen Problem kann ich leider auch nichts beitragen.
    LG kiki

  5. Hallo Gilles, vielen Dank für den Griff ins Archiv. Die gewählte Präsentation finde ich sehr ansprechend, weil die Untermalung mit Musik die Stimmung verstärkt. So eine lange Wanderung wäre sicher nicht meine Wahl für einen Urlaub, obwohl ich gern laufe, aber man taucht vermutlich erst dabei so richtig in die Landschaft ein, das lassen die Fotos erkennen. Sehr schön! LG, Conny

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