Wohin des Weges?

Es hat seine Zeit gedauert bis ich einen meiner ersten Abzüge nach Wiederinbetriebnahme meiner Dunkelkammer präsentiere. Ich hatte dieses Foto schon einmal in einem vorigen Artikel gezeigt. Das war nur ein Scan vom Negativ.  Dieses Foto ist ein Scan vom fertigen Print. Der kommt auf dem Bildschirm etwas streifig herüber. In Wirklichkeit hat das Foto sehr weiche Grauwerte. Einzig der Weg leuchtet aus dem Baryt Papier heraus.

Die Aufnahme entstand bei einem Familienausflug in die Vogesen. An dem Wochenende schüttete es die meiste Zeit wie mit Eimern. Das hielt uns nicht davon ab durch die Landschaft zu zingeln. Zwischendurch kehrten wir in einer Kellerei ein um danach gut gestärkt und frohen Mutes weiter zu fahren. Während der Abfahrt von einem kleinen Pass stach mir dann diese Nebellandschaft ins Auge. Ich bat meinen Bruder der den Wagen lenkte kurz zu halten damit ich ein Foto belichten könne. Ich schnappte mir die Leica mit dem 50mm (meine einzige Brennweite an dem Apparat) und sprang raus in den Regen. Schnell war eine Lichtmessung gemacht, dann die Zeit Blendenkombination und die Schärfe eingestellt. Den Bildausschnitt zu finden war in diesem Fall ein Leichtes weil ich genau wusste was mir wichtig war für das Bild. Es folgte das satte, dennoch unvergleichlich dezente Geräusch des Verschlussvorhangs. Der erste Akt war gespielt.

Nach der 36ten Aufnahme folgte der zweite Akt. Die Entwicklung des Rollei RPX 100 Films im frisch auf dem Markt erschienenen Entwickler Acurol der Firma SPUR. Den Entwickler verdünnte ich akkurat auf 1:100 (sprich 1 Teil Entwickler auf 100 Teile Wasser). Die Temperatur der Lösung betrug beim Einfüllen in  die ebenfalls temperierte Entwicklungsdose exakt 20°. Laut Angaben von SPUR beeinflusst der anschliessende Kipprythmus der Dose den Kontrast sehr prägnant. Ich entschied mich dafür die ersten 30″ dauernd die Dose zu bewegen und danach 1 mal alle 10 Minuten bei einer Gesamtentwicklung von 40 Minuten. Der fertig entwickelte Film zeigt sich schön kontrastreich.

Akt Nummer drei spielte sich in der Dunkelkammer ab. Die Gradation (den Kontrast) stellte ich am Vergrösserer auf 2 (das ist sozusagen der Normalkontrast. 3, 4 und maximal 5 sind jeweils um eine Stufe kontrastreicher, wohingegen die 1 sehr weiche Grauwerte zur Folge hat) und belichtete erst einmal 2 Probestreifen um die optimale Belichtungszeit heraus zu finden. Ich entschied mich einen ersten Testbogen mit einer Gesamtbelichtungszeit von 9″ zu entwickeln. Die untere Bildhälfte war fast schon perfekt. Doch die obere Hälfte erforderte massives nachbelichten weil das Papier viel zu hell war. Blatt zwei belichtete ich unter dem Vergrösserer erst einmal in seiner Gesamtheit mit 8″. Die obere Hälfte habe ich anschliessend 15″ lang nachbelichtet. Das war gar nicht mal schlecht. Für das Endergebnis brauchte ich weitere 3 Versuche. Hier sind meine Notizen dazu:

Gesamtbelichtung: 8″, dabei den Weg kurz abwedeln (das Licht abhalten damit dieser Teil des Bildes heller wird), obere Hälfte 15″ nachbelichten (dort wird das Foto dunkler), linke untere Ecke bis an den Wegesrand 3″ nachbelichten, rechte untere Ecke 3″ nachbelichten, Mittelstreifen horizontal +- 3cm hoch 3″ nachbelichten.

Wohin des Weges

Baryt_Nebel001

Den Titel „Wohin des Weges“ habe ich gewählt weil ich finde das er a) gut zum Foto passt und b) weil ich das Gefühl habe dass ich was meine fotografische Laufbahn betrifft (wenn ich das mal so benennen darf) auf diesem, von hochsteigenden Nebelschwaden umgebenen Weg daher wandere und noch nicht weiss was sich hinter der nächsten Kurve befindet. Wird der Himmel aufklaren, so dass ich meinen Weg finde?